User title: asmin
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Subject: Trotz WM ein volles Haus
Vortrag:
„Hainfelder Ritter – wer sie waren,
wo sie wohnten,
wovon sie lebten“
Prof. Müller, Hainfeld
Wer waren die Ritter von Hainfeld , wo wohnten sie und wovon lebten sie? Diesen Fragen ging Professor Carl-Werner Müller bei seinem Vortrag zur 1225-Jahrfeier der Ortsgemeinde vor über 100 Zuhörern im Haus der Gemeinde nach. Die Familiengeschichte seiner Ehefrau, die sich seit 350 Jahren mit der Geschichte des Dorfes Hainfeld verbindet, war für den gebürtigen Rheinländer, Philologen und Historiker Anlass, die Geschichte der neuen (Wahl-)Heimat zu erforschen.
Angesichts der bescheidenen Größe des Orts ist es schon erstaunlich, was Müller über die Geschichte der Ritter von Hainfeld in Erfahrung brachte. Es habe zwei verschiedene, aufeinander folgende Adelsfamilien gegeben, die sich nach Hainfeld benannten. Als Bürgersitzname eines Adeligen wird Hainfeld erstmals 1109 in einer Urkunde des Klosters Hirsau (Schwarzwald) erwähnt. Die älteste urkundliche Erwähnung der Siedlung Hainfeld unter dem Namen „Stratfeld" überliefert das Güterverzeichnis des Klosters Lorsch von 781. Die Siedlung sei in der auffallend großen Urmark Edesheim durch Rodung eines Walds (Hain) entstanden.
Marquard von Hainfeld , der einem adelfreien Geschlecht angehörte, ist als Zeuge in einem Vermögensstreit genannt - überhaupt treten die Herren von Hainfeld im Umfeld von König, Bischöfen, Klostern und Hochadel öfter als Zeugen auf. Die Familie muss Müller zufolge ein hohes Ansehen genossen haben. Auch wird sie in spätsalischer und frühstaufischer Zeit vielfach in Verbindung mit den mächtigen Bischöfen von Speyer genannt. Im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts ist die ältere Familie der Herren von Hainfeld erloschen und Hainfeld unter Kaiser Friedrich I. oder seinem Sohn Heinrich VI. an die Staufer übergegangen.
Die „jüngeren Ritter von Hainfeld " war eine Niederadelsfamilie aus dem Kreis des Dienstadels der staufischen Kaiser. Dass es sich um eine andere Familie als die Marquards handelt, ergibt sich Müller zufolge aus der Namensgebung:. Statt Gottfried und Erlefried tragen die Herren biblische Namen wie Johannes, Jakob und Nikolaus. Die älteste Urkunde der jüngeren Linie der Hainfelder Ritter stammt aus dem Jahre 1255, aus den letzten Jahren der staufischen Herrschaft.
Der erste Inhaber der Ortsherrschaft hat um das Jahr 1200 die Hainfelder Kapelle, so wird die Hainfelder Kirche urkundlich genannt, als Chorturmkirche erbauen lassen. 1335 verzichtete ein Nikolaus von Hainfeld auf alle Rechte seiner Familie an der Hainfelder Kirche zu Gunsten des Abtes von Weißenburg. Hainfeld dürfte dann selbstständige Pfarrei, allerdings ohne Taufrechte, geworden sein.
Burg am östlichen Dorfrand
Auch der Frage nach dem mittelalterlichen Wohnsitz der Ritter ging Müller in seinem Vortrag nach. Am Schlossberg könne er nicht gelegen haben, denn er hieß in den ältesten Lagebüchern des Ortes aus dem 17. Jahrhundert Schoßberg. Zwar haben sich weder bauliche Reste eines festen Hauses im Ort erhalten, noch gibt es schriftliche Nachrichten, die von einer Burg sprechen. Aus der Tatsache, dass der Ort vom elften. bis Ende des 15. Jahrhunderts stets Sitz einer Adelsfamilie war, muss es auch ein standesgemäßer Adelssitz, eine Residenz, gegeben haben, so Müller.
Die Residenz vermutet Müller am östlichen Dorfrand, ehemals Weisbrodsche Mühle. Die Burg sei gegen Ende des 15. Jahrhunderts nach dem Aussterben der Familie abgetragen worden. „Mit dem Baumaterial konnten die Hainfelder aus eigenen Kraftanstrengungen ein neues, größeres und in der Höhe erkennbar überdimensioniertes Kirchenschiff bauen."
Die Hainfelder Ritter waren mit hinreichendem Eigengut ausgestattet. Dies beweist, dass ein Ritter einen Teil seines frei verfügbaren Erbteils und drei Hofstellen an das Stift Sankt German in Speyer veräußerte und es gegen jährliche Pachtzinszahlung in Erbpacht nahm. Mit der Nutzung des vordergründig in den Gewannen „Auf der Hub an der Kapelle" und „In der Bleige" (heute „In der Blenk") befindlichen Eigenlandes bestritten diese ihren Lebensunterhalt. Die in Parzellen aufgeteilten Flächen wurden von Hainfelder Winzern als Pächter bearbeitet.
Nach dem Aussterben der jüngeren Adelsfamilie um 1470 gelang es offensichtlich den Hainfelder Bauern, die als Pächter im Dienst der Ritterfamilie gestanden hatten, durch Umwandlung des ursprünglichen Pachtverhältnisses in einen kollektiven Hubbesitz die Einheit und Eigenständigkeiten der Hainfelder Hub für sich zu retten.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts erlebte Hainfeld einen rasanten Aufstieg. Religions- und Erbfolgekriege haben davon wenig übrig gelassen. Um so eindrucksvoller, so Professor Müller, ist das ungebrochene Wirtschaftspotenzial des Dorfes, welches zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen raschen Wiederaufbau ermöglichte, der den Ort im Barock zu einer neuen Blüte führte. (rl)
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt
Datum: Nr.140
Datum: Dienstag, den 20. Juni 2006
Seite: Nr.13
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